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Maria Theresia
von Jesu Gerhardinger Gründerin der Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau Wer war diese Frau? Die Zeit, in die Karolina Gerhardinger am 20. Juni 1797 hineingeboren wurde, war gekennzeichnet von materieller Not, sozialer Unsicherheit, geistigem Umbruch, sittlichem Verfall. Der Blick auf die brennende Stadt Regensburg nach den Angriffen Napoleons konfrontierte das 12-jährige Mädchen an der Seite des Vaters mit den Schrecken des Krieges. In ihrem Elternhaus erlebte Karolina als Tochter eines angesehenen Schiffsmeisters, mit dem sie auf dem Floß nach Wien mitfahren durfte, Weltoffenheit und religiöse Verankerung, Wohlstand und Unterstützung von Notleidenden. Die vielseitige Begabung des aufgeweckten Mädchens wurde in der Klosterschule der Notre-Dame-Frauen gefördert, die menschlichen Qualitäten zur Entfaltung gebracht. Die Auflösung vieler Klöster im Zuge der Säkularisation erschütterte den Dompfarrer von Regensburg, Georg Michael Wittmann, der bis 1809 als Religionslehrer an der Klosterschule in Stadtamhof gewirkt hatte und die verheerenden Folgen abzuschätzen wusste. Entschlossen, die Schule mit ehemaligen Schülerinnen weiterzuführen, gewann Wittmann die 12-jährige Karolina Gerhardinger für seine Idee und bildete sie zur Lehrerin aus. Sein Anliegen war es, Bildungsmöglichkeiten für die weibliche Jugend zu schaffen, über die Frau in die Familie hinzuwirken und dadurch die Gesellschaft positiv zu verändern. Dieses Ziel Wittmanns machte sich Karolina zu eigen und es bestimmte immer mehr ihre Lebensausrichtung. Unter der geistlichen Führung von Wittmann, inzwischen Weihbischof von Regensburg, festigte sich in ihr der Entschluss, sich dieser Aufgabe in einer klösterlichen Lebensform zu widmen. Viele Schwierigkeiten und Widerstände musste sie überwinden, bevor sie 1833 in Neunburg vorm Wald mit zwei Gefährtinnen die erste Niederlassung gründen konnte. Die selbstlose Hinwendung zum Menschen, genährt aus der Hingabe an Gott, die radikal gelebte Armut, getragen von innerer Freiheit, das unermüdliche Streben nach Einheit, ausgerichtet am Wort Jesu, wirkte überzeugend und ließ die Gemeinschaft rasch anwachsen. Zahlreiche Gesuche um Schulschwestern für die Übernahme der Mädchenschulen bestätigten den pädagogischen Ansatz der ganzheitlichen Bildung und Erziehung von Maria Theresia von Jesu Gerhardinger, wie sich Karolina nach ihrer Gelübdeablegung 1835 nannte. Mit Unterstützung von König Ludwig I. verlegte sie 1843 das Mutterhaus in die Landeshauptstadt München, sie folgte 1847 dem Ruf nach Amerika, um deutsche Auswandererkinder zu unterrichten, und nutzte 1875 den herben Rückschlag der Filialschließungen im Kulturkampf zum Aufbruch nach Weißwasser, Österreich/Schlesien. Realitätssinn, Weitblick und unerschütterliches Gottvertrauen bestimmten die Entscheidungen Mutter Theresias für das „Werk Gottes“, wie sie die Gründung nannte. Die Kraft, die sie aus dem Gebet und der Eucharistie schöpfte, ließ sie auch innerkirchliche Anfeindungen durch-stehen. Die langwierige, bittere Auseinandersetzung mit Erzbischof Reisach um die Anerkennung der Regel endete 1865 mit der päpstlichen Genehmigung, die Mutter Theresia die zentrale Leitung ihrer Gemeinschaft erlaubte. Im Leben Mutter Theresias bewahrheitete sich ihr Ausspruch, der auf der Grabplatte steht: „Alle Werke Gottes gehen langsam und leidvoll vor sich, dann aber stehen sie desto fester und blühen desto herrlicher auf.“ An ihrem Todestag am 9. Mai 1879 zählte die Kongregation in Europa und Nordamerika 295 Niederlassungen, etwa 3.000 Schwestern unterrichteten oder betreuten an die 80.000 Kinder und Jugendliche. Mit der Seligsprechung am 17. November 1985 bestätigte die Kirche ihr Leben und Wirken. Von Seiten des Staates wurden 1998 ihre Verdienste für das bayerische Schulwesen mit der Aufstellung ihrer Büste in der Walhalla gewürdigt. |