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Ihr Auftrag
Mutter Theresia erkannte ihren Auftrag im Blick auf die Nöte der Zeit, geistlich geführt vom Dompfarrer und späteren Bischof von Regensburg Georg Michael Wittmann.
Aufklärung, Napoleonische Kriege und Säkularisation veränderten die gesellschaftliche Situation in Bayern - zum Nachteil vor allem des einfachen Volkes, das zunehmend in die Verarmung geriet. Im 19. Jahrhundert brachten die Zwangsmaßnahmen des Staates gegen Kirche und Klöster viele Menschen in ungeschützte Lebensverhältnisse:
- ohne wirtschaftliche und soziale Absicherung,
- ohne grundlegende Bildungsmöglichkeiten,
- ohne Orientierungshilfen aus dem christlichen Glauben.
 
Als 1809 Kloster und Klosterschule der Augustiner-Chorfrauen in Stadtamhof der Säkularisation zum Opfer fielen, führte Gott Karolina Gerhardinger Schritt für Schritt hinein in die Berufung ihres Lebens: sich durch Unterricht und Erziehung in Gemeinschaft mit gleichgesinnten Frauen vor allem der weiblichen Jugend anzunehmen.
 
Den Armen gab sie dabei den Vorrang. Die Mädchen der einfachen Landbevölkerung sollten durch gute Schulbildung Berufschancen haben und durch religiöse Erziehung Halt finden für ihr Leben. Bittgesuche um Schulschwestern aus ganz armen Gegenden wurden von Mutter Theresia besonders gerne angenommen. An sozialen Brennpunkten wie in München-Au und Giesing errichtete sie Kinderbewahranstalten und Suppenschulen, damit die Kinder der Straße entzogen waren. Waisenkinder lagen ihr besonders am Herzen.
An den Fortbildungs- und Höheren Töchterschulen waren Handarbeiten, Zeichnen, Singen und Turnen, gründliche Ausbildung in deutscher Sprache, Literatur, Rechnen, Raumlehre sowie in den Realfächern und Religion auf dem Stundenplan. Auch Fremdsprachenunterricht gehörte dazu.
 
Selbst in äußerster Armut lebend, setzte Mutter Theresia für die Ausbildung ihrer Schwestern und für die Ausstattung der Bildungseinrichtungen alles ein. Sie entwickelte Lehrpläne, die später das staatliche Schulwesen mitprägten - sogar Sportunterricht für Mädchen stand bei ihr auf dem Stundenplan; sie nutzte die Erfindung der Lithographie und druckte eigene Unterrichtsmaterialen, besorgte Anschauungsmittel, wenn nötig, aus dem Ausland und führte am Anger die ersten Schulen Bayerns mit elektrischem Licht.
 
Das Geheimnis ihres Erfolges lag nicht allein in ihrer ausgesprochen pädagogischen Begabung, sondern vielmehr in ihrer tiefen Liebe zum Menschen. Die Wertschätzung jedes Einzelnen in seiner Einmaligkeit entsprang ihrem Glauben an Gott den Schöpfer, der alle bedingungslos liebt. Seine Liebe an die Menschen weiterzugeben und ihnen durch Erziehung und Bildung zu dienen, sah sie als ihre Berufung an, für die sie ihre ganze Kraft und ihre vielseitigen Fähigkeiten einsetzte und schier Unglaubliches leistete. Mutig und kreativ wagte sie neue Schritte, um Mädchen und junge Frauen für ihre verantwortungsvolle Aufgabe in Familie, Kirche und Gesellschaft zu rüsten und zu stärken.
 
 
Mutter Theresia suchte sich Gefährtinnen, um ihre Vision verwirklichen zu können. Aus dem Miteinander auf ein gemeinsames Ziel hin entfalteten sich Kräfte, die die Welt ein Stück veränderten und vielen Menschen Lebenschancen eröffneten.
 
Ihre Vision lebt in uns weiter, wir führen sie in die Zukunft.
Gemeinsam Zukunft gestalten unser Auftrag – unsere Chance